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Kraftvolles Kraut

Wirkstoffe aus Cannabis – Hilfe für Problem-Haut

Veröffentlicht am 01.01.2021

Ob bei gesundheitlichen Problemen oder zur Pflege von Haut und Haaren: Der Hanf-Hype ist allgegenwärtig. Lesen Sie, was die Extrakte der Pflanze bewirken.

 

Die Hanfpflanze (Cannabis sativa) enthält ca. 100 sogenannte Cannabinoide. Diese weisen eine chemische Struktur von Terpenphenolen auf, welche ausschliesslich in der Hanfpflanze vorkommen. Das bekannteste Cannabinoid ist Tetrahydrocannabinol (THC). Es ist für die psychotrope, berauschende Wirkung von Cannabis verantwortlich. Produkte mit einem THC-Gehalt von unter einem Prozent dürfen in der Schweiz legal verkauft werden. Ein weiteres wichtiges Cannabinoid, welches in grossen Mengen in der Pflanze enthalten ist, ist Cannabidiol (CBD). CBD unterliegt im Gegensatz zu THC nicht dem Betäubungsmittelgesetz, weil es keine vergleichbare psychoaktive Wirkung besitzt. Das heisst jedoch nicht, dass CBD nach Belieben in kosmetische Produkte beigesetzt werden darf.

Verschiedene Experten sprechen CBD hauttherapeutisches Potenzial zu, so hat es z.B. entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften. Daher ist CBD besonders interessant zur Produktion kosmetischer Produkte für empfindliche Haut. In der medizinischen Forschung hat sich gezeigt, dass CBD z. B. in Tumoren die Bildung neuer Blutgefässe verhindert (Angiogenese) und somit das Tumorwachstum hemmt. Im August 2016 hat sich das erste Schweizer Unternehmen für den legalen Anbau von Cannabis registrieren lassen. Ende 2016, als die Schweiz den Verkauf von Cannabis mit einem geringen THC-Gehalt freigegeben hatte, entstanden dann die ersten Cannabis-haltigen Produkte in der Kosmetik.

 

Eine sichere Sache

Natürliches CBD kann aus verschiedenen Teilen der Hanfkrautpflanze gewonnen werden, den höchsten Anteil haben weibliche Hanfblüten. Ebenso gibt es heute Verfahren für seine synthetische Herstellung. Der Einsatz von synthetischem CBD ist nicht spezifisch geregelt. Jedoch unterliegt es den allgemein rechtlichen Anforderungen für Kosmetika: Das Produkt muss gemäss Definition eines kosmetischen Mittels dementsprechend sicher sein. Das heisst, seine Unbedenklichkeit muss belegt worden sein – medizinische und therapeutische Hinweise sind verboten. Natürliches CBD ist in Kosmetika nur erlaubt, wenn es aus Cannabis, Cannabisharz, -extrakten und -tinkturen stammt, welche aus dem Hanfsamen und nicht aus dem -kraut gewonnen werden. Je nach Hersteller wird für kosmetische Mittel bevorzugt das natürliche Hanfsamenöl eingesetzt.

 

Wohltat für die Haut

Hanfsamenöl (INCI: Cannabis Sativa Seed Oil) besteht zu etwa 80 Prozent aus essenziellen Fettsä uren wie z. B. Gamma-Linolensäure. Omega-6- und Omega-3-Fettsä uren spielen eine wichtige Rolle bei der Prä vention von degenerativen Hauterkrankungen. So reduziert Hanfsamenöl die Hauttrockenheit, welche zu Irritationen und Juckreiz fü hrt, und spendet Feuchtigkeit. In dermatologisch-medizinischen Behandlungen findet das Öl mehr und mehr Bedeutung bei der Behandlung von Neurodermitis und Psoriasis. Hanfsamen enthalten essenzielle Aminosäuren und sind zudem besonders reich an Edestin, einem Globulin-Eiweiss. Edestin ist dem im menschlichen Blutplasma enthaltenen Globulin sehr ähnlich und spielt eine wichtige Rolle im Immunsystem, z. B. bei der Produktion von Antikörpern.

Michèle Forrer hat sich in ihrem Institut Seeblick Kosmetik (www.seeblick-kosmetik.ch) auf onkologische Pflege für Haut- und Kopfhaut spezialisiert. Sie setzt dabei u. a. Produkte einer Schweizer Marke ein, die Extrakte und Wirkstoffe der Hanfpflanze enthalten.

Michèle Forrer hat sich in ihrem Institut Seeblick Kosmetik (www.seeblick-kosmetik.ch) auf onkologische Pflege für Haut- und Kopfhaut spezialisiert. Sie setzt dabei u. a. Produkte einer Schweizer Marke ein, die Extrakte und Wirkstoffe der Hanfpflanze enthalten.

KOSMETIK international Suisse: Bei welchen Hautzuständen bzw. -problematiken arbeiten Sie mit kosmetischen Cannabis-Produkten?

Michèle Forrer: Ich arbeite in folgenden Bereichen mit Cannabisöl-Produkten: bei Entzündungen, Reizungen, Rötungen/Couperose, bei sehr trockener, irritierter oder juckender Haut sowie begleitend bei Neurodermitis und Psoriasis. Ausserdem wenn es darum geht, das Immunsystem der Haut auszugleichen und ihre Hydrolipidbarriere zu stärken.

Wie sind Ihre Erfahrungen damit?

Bei konsequenter und längerer Anwendung sind die Ergebnisse sehr gut. Die Kundinnen sind zufrieden, weil sich die Haut auch schon kurzfristig beruhigt. Das Thema Entgiftung berücksichtige ich ebenfalls, oft ist der Säure-Basen-Haushalt problematisch. Generell kommen die Kundinnen sehr gut mit den Produkten zurecht, einzig deren Duft ist für manche gewöhnungsbedürftig. Ich muss immer wieder erklären, dass mehr Duftstoffe nicht gehen, weil diese Reizungen auslösen könnten. Es sind natürliche Produkte!

 

 

 

Autor:

Rolf Stehr ist gelernter Drogist, Make-up-Artist und Permanent Make-up-Ausbilder. Durch seine langjährige Tätigkeit als Make-up-Artist und Consultant verfügt der Geschäftsführer der Stehr Cosmetics AG in Luzern über ein umfassendes Kosmetikfachwissen.

KONTAKT:

www.stehrcosmetics.ch

 

 

Text: Rolf Stehr

Bilder: stock.adobe.com (1), Stehr Cosmetics AG (2)

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