FACE & BODY

Alles schön geklärt?

Die Reinigung als Basis der Hautpflege verstehen

Veröffentlicht am 26.12.2020

Viele Endkunden legen ihren Fokus auf Pflegecremes oder Spezial- und Effektpräparate wie Masken, Seren und Ampullen. Ob sie ihre Haut auch angemessen reinigen, hinterfragen die wenigsten. Ein intensives Beratungsthema für Sie!

 

Von der Effektivität kosmetischer Wirkstoffe in Cremes, Seren oder auch Masken lassen sich viele Kunden sofort überzeugen. Die Haut- bzw. Gesichtsreinigung war dagegen lange ein vernachlässigtes und schwieriges Thema. Dabei gilt eine effektive Reinigung als wichtige Basis jeglicher weiterer Pflegemassnahmen. Durch eine adäquate Reinigung wird die Haut besser durchblutet und wirkt sofort frischer. Gleichzeitig wird sie aufnahmefähiger, sodass die Wirkstoffe nachfolgender Pflegeprodukte besser eindringen können. Aber der Nutzen der Hautreinigung geht noch viel weiter. Eine effektive Reinigung gilt auch als wichtige Anti-Aging-Strategie. Als äusserste Schutzhülle des Körpers ist die Haut täglich einer Vielzahl von Umwelteinflüssen ausgesetzt. Neben der Entfernung von Hautschuppen, Schweissrückständen, unerwünschten Keimen und nicht zuletzt den Resten von kosmetischen Produkten ist der Kern einer jeden Reinigung auch, die Haut von Umweltschmutz zu befreien. Seit der ersten Publikation der Forschergruppe um Prof. Dr. Jean Krutmann 2010 ist bekannt, dass neben den Umwelteinflüssen wie UV-Strahlung und Tabakrauch auch Feinstaubpartikel eine signifikante Rolle bei der extrinsischen Hautalterung spielen. Das Thema Feinstaubbelastung ist nicht nur in Millionenstädten wie Peking aktuell, auch viele europäische Städte sind immer wieder von einer hohen Smog-Belastung betroffen.

 

Mit Schädigungen verbunden

Feinstaub haftet sich an die Haut, kann aufgrund seiner sehr geringen Partikelgrösse in diese eindringen und sogar weitere Schadstoffe – wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe – mit in die Haut einschleusen. Hier kommt es dann zur Freisetzung von sogenannten reaktiven Sauerstoffspezies (Engl.: reactive oxygen species – ROS), die nachweislich die Physiologie der Haut schädigen und so zu Hautalterungszeichen wie Lentigines senilis (Altersflecken) und einer vermehrten Faltenbildung beitragen. Der effektivste Schutz vor extrinsischer Hautalterung durch Feinstaub ist eine gründliche und angemessene Hautreinigung. Die Kosmetikindustrie bietet heute eine grosse Auswahl an Reinigungsprodukten unterschiedlichster Rezepturen und Formulierungen sowie viele Spezialprodukte an. Im Vordergrund steht dabei eine effektive, aber schonende Reinigung. Allgemein gilt, dass ein Reinigungsprodukt im hautphysiologischen pH-Wert zwischen 4,0 und 5,5 liegen muss, um die hauteigene Barriere nicht zu belasten. Liegt der pH-Wert eines Reinigungspräparates im Bereich des Neutralpunktes von pH 7, kann es zu einer zu langen und waschbedingten Quellung der Haut kommen, was zu Austrocknungserscheinungen und Irritationen führt. Daher haben sich in der Kosmetik sogenannte Syndets durchgesetzt. Im Vergleich zu klassischen Seifen kann hier der pH-Wert eingestellt werden. Syndets enthalten als Reinigungskomponente waschaktive Substanzen (Tenside), z. B. Fettsäure-Isethionate (Sodium Cocoyl Isethionate), die besonders mild, hautfreundlich und darüber hinaus gut biologisch abbaubar sind. Zudem enthalten moderne Reinigungsprodukte hochwirksame Inhaltsstoffe, welche der Haut bereits bei der Reinigung Feuchtigkeit spenden, rückfettend wirken oder die Haut vor umweltbedingten Schadstoffen schützen, wie z. B. Antioxidanzien.

Wichtig bei einer adäquaten Reinigung ist die Auswahl des passenden Produktes für den jeweiligen Hautzustand und die individuellen Bedürfnisse der Kunden. So eignen sich für die fettige, zu Akne neigende Haut sehr gut Reinigungsgele, die nicht komedogen sind und antibakteriell wirken: damit das Bakterienwachstum an der Hautoberfläche gehemmt wird. Als effektiver Wirkstoff von Reinigungsgels bei seborrhoischer Haut gilt Milchsäure. Sie wirkt sowohl keratoals auch komedolytisch und reguliert darüber hinaus den pH-Wert der Haut. Zudem wirkt sie feuchtigkeitsspendend und ist im hohen Masse verträglich, da sie Teil des natürlichen Feuchthaltefaktors (NMF) der Haut ist.

Reinigungsöle sind für trockene und empfindliche Haut geeignet. Sie verwandeln sich bei Kontakt mit Wasser in eine milchige Emulsion. Hauptbestandteile sind rückfettende Öle, z. B. Jojobaöl, die ausgewaschene Fette in der äussersten Hautschicht ersetzen sollen.

 

Für besonders sensible Typen

Für die sehr empfindliche oder auch zu Couperose neigende Haut empfehlen sich Reinigungsfluids. Fluids haben den Vorteil, dass sie wie eine Reinigungsmilch und ein Tonic in einem reinigen. Sie entfernen Make-up und klären die Haut, ohne dass hierfür mechanische Reibung erforderlich ist.

Um die Haut bereits bei der Reinigung zu pflegen und sie gleichzeitig zu beruhigen, bieten sich Triglyceride als Wirkstoffkomponente an. Sie sind öllöslich und haben sowohl rückfettende als auch glättende Eigenschaften. In den vergangenen Jahren haben sich die sogenannte Mizellenwässer in der Kosmetik etabliert. Sie stellen einen echten Trend in der Gesichtsreinigung dar, da sie dem Anspruch einer schnellen und effektiven Reinigung gerecht werden. Sie sind Make-up-Entferner, Gesichtsreinigung und Tonic in einem. Dabei ist die Technologie schon recht alt. Mizellen sind mikroskopisch kleine Partikel, die sich durch eine spezielle Form von Tensiden auszeichnen, die sowohl lipophile (fettliebende), als auch hydrophile (wasserliebende) Bereiche aufweisen. So können fettige Stoffe wie Make-up, aber auch Talgreste gebunden werden; die Haut lässt sich ohne jeglichen Druck oder Reibung reinigen. Darüber hinaus benötigt die Mizellentechnologie kein Wasser. Leitungswasser hat keinen hautphysiologischen pH-Wert, weshalb es die hypersensitive Haut austrocknen und reizen kann. Daher sind entsprechende Reinigungsprodukte insbesondere für die sehr empfindliche Haut geeignet.

Ein weiterer Trend im Bereich der Gesichtsreinigung sind sogenannte Gesichtsbürsten für den Heimgebrauch. Mittels einer elektronisch betriebenen Bürste soll die Haut effektiv von Schmutz und Umweltbelastungen gereinigt werden. Das Prinzip ist mit dem einer elektronischen Zahnbürste zu vergleichen. Mit bis zu 300 Bewegungen pro Sekunde säubern sie die Haut und führen gleichzeitig eine Mikromassage durch, die die Hautqualität langfristig verbessern soll.

 

Der Ausgleich zum Abschluss

Gesichtswässer runden den Reinigungsprozess ab. Sie dienen der Nachreinigung und Tonisierung der Haut. Sie sollen den pH-Wert nach der Reinigung mit einem adäquaten Präparat und Wasser ausgleichen. Viele der angebotenen Gesichtswässer enthalten Alkohol, dessen desinfizierende Wirkung bei sebborhoischer, zu Akne neigender Haut erwünscht ist. Bei einer dauerhaften Anwendung alkoholhaltiger Gesichtswässer kann es jedoch zu einer starken Austrocknung kommen. Daher sollte bei trockener und empfindlicher Haut auf entsprechende Produkte verzichtet werden. Um die Haut intensiv zu klären, empfehlen sich neben der täglichen Reinigung regelmässig Peelings. Der Klassiker sind Peelingcremes oder Waschpeelings, bei denen feinste Mikropartikel als „Schleifmedium“ eingesetzt werden.

Sie lösen Verhornungen und öffnen so die Poren. Ferner werden die Durchblutung und die Zellteilung der Epidermis angeregt. Als Folge erscheint der Teint ebenmässiger und strahlender. Peelings mit Mikropartikeln eignen sich jedoch nicht für jede Haut. Die mildere Variante des Peelings stellen Enzympeelings dar. Es löst die Hornschüppchen auf sanfte Art ohne mechanische Reibung enzymatisch; die Hautqualität wird auf diese Weise nachweislich verbessert. Grundsätzlich gilt, dass die Reinigung neben dem Klären der Hautoberfläche nicht zuletzt auch unser psychisches und physisches Wohlbefinden verbessert.

Mild und hydratisierend

Reinigungsprodukte auf Milchbasis sowie Emulsionen eignen sich grundsätzlich für jeden Hautzustand – ausgenommen fettige Haut. Sie enthalten milde kationische, amphotere oder nichtionische Tenside wie Betaine sowie zumeist hydratisierende Wirkstoffe wie Hyaluronsäure oder Glycerin. Für die Reinigung der trockenen und empfindlichen Haut sind in den beschriebenen Reinigungspräparaten zumeist noch rückfettende Substanzen wie etwa pflanzliche Öle enthalten.

Der reinigende Effekt von Erden

Auch Masken dienen der intensiven Reinigung. Gerade bei unreiner, zu Akne neigender Haut eignen sich sogenannte Reinigungsmasken. Wirkstoffe der Wahl sind Tonerde oder auch Aktivkohle. Letztere findet sich häufig in den derzeit angesagten Produkten: den schwarzen Peel-off-Masken, auch Blackhead-Masken genannt. Sie hinterlassen nach dem Abziehen ein sauberes und weiches Hautgefühl und können sogar Komedonen mit entfernen.

 

 

Autorin:

Dr. Meike Streker ist Kosmetikwissenschaftlerin mit umfassender Erfahrung im Bereich kosmetischer und klinischer Forschung. Sie ist Dozentin am Fachbereich Kosmetikwissenschaft der Uni Hamburg und als Referentin auf Fachkongressen, Trainerin sowie Fachautorin aktiv.

Kontakt: 

Dr.Streker@web.de

 

 

Text: Meike Streker

Fotos: stock.adobe.com (3)

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