FACE & BODY

Im Auftrag der Götter

Eine bewährte Heilpflanze: die mediterrane Zistrose

Veröffentlicht am 01.01.2021

Schenkt man der griechischen Mythologie Glauben, dann soll es im Olymp heisse Diskussionen um die Zistrose gegeben haben. Fakt hingegen ist, dass die wertvollen Inhaltsstoffe dieser Strauchpflanze unserer Haut überaus guttun.

 

Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose – so poetisch diese berühmte Zeile aus dem Gedicht „Sacred Emily“ von Gertrude Stein auch ist, auf die Zistrose (Cistus incanus) ist sie jedoch nicht übertragbar. Das im Mittelmeerraum beheimatete Gewächs gehört nicht einmal zu der Familie der Rosengewächse (Rosaceae), sondern zählt zu den malvenartigen Cistaceae. Es bildet kleine, rosafarbene Blüten, deren Blätter etwas zerknittert aussehen und die denen der wilden Heckenrose ähneln. Womöglich wurde der Name hiervon abgeleitet. Wie auch immer: Seit die Phytotherapie wieder voll im Trend liegt, ist auch die Zistrose für die Pharmazie durchaus wieder von Interesse.

 

Preiswürdiges Pflänzchen

Die wissenschaftliche Gesellschaft Herba Historica e. V. erkor die Zistrose im Jahr 1999 zur „Pflanze des Jahres“. Und so vielseitig wie sie ist, könnte sie diesen Titel eigentlich jedes Jahr tragen. Diese immergrüne Strauchpflanze bevorzugt magnesiumreiche Böden und ihre Blüten und Blätter haben einen angenehm harzigen Duft. Sie wird bis zu einem Meter hoch und ist vor allem auf der griechischen Halbinsel Chalkidiki und auf Korsika zu finden. Ihre Inhaltsstoffe begünstigen unterschiedlichste Heilwirkungen, die schon in der Antike bekannt waren. Im alten Griechenland galt der Cistus deshalb als Pflanze der Götter und noch heute wird Zistrosentee dort als eine Art Allheilmittel eingesetzt. In der griechischen Mythologie taucht die wärmeliebende Strauchpflanze ebenfalls auf. Es heisst, dass die Götter des Olymps der kleinen Zistrose einen Auftrag erteilten: Sie sollte schnell alle Kriegswunden der antiken Helden heilen und deren Schmerzen lindern. Die Göttinnen hingegen bevorzugten die Pflanze als Schönheitsmittel von innen und aussen – und zur Geburtshilfe für die Frauen. So wurde schliesslich im Olymp gemeinschaftlich entschieden, dass die Zistrose beides können solle: heilen und verschönern – was durchaus der Maxime „Gesundheit ist Schönheit“ entspricht.

Eine Beschreibung von Heilrezepturen mit der Zistrose ist in der Arzneimittellehre „De materia medica“ („Über Heilmittel“) des griechischen Arztes Pedanios Dioskurides zu lesen. Die Wirkung dieser Pflanze ist wahrscheinlich auf die ausgeprägte Widerstandskraft ihrer Wurzeln zurückzuführen, die sogar heftige Buschbrände überstehen können.  Forschungen in jüngster Zeit haben ergeben, dass Zistrosenextrakt in der heutigen Phytotherapie für unterschiedliche Heilanwendungen eingesetzt werden kann. Das kleine, rosafarbene Blümchen mit den graubehaarten Blättern erweist sich als wahrer Tausendsassa in der Naturheilkunde und der Kosmetik.

Vielseitig einsetzbar

Für die Zubereitung von Heilmitteln und Pflegeprodukten werden Blätter, Blüten und junge Zweige verwendet. Angeboten werden sowohl Tees als auch Darreichungsformen wie Kapseln, Tabletten, Salben, Hydrolate und Aerosole. Zwar sind noch nicht alle Inhaltsstoffe der Zistrose vollständig erforscht, doch die Vielseitigkeit und der Erfolg des Extraktes sprechen für sich.

So gilt Cistus als Heilpflanze mit dem höchsten Anteil an Polyphenolen. Es heisst, dass die antioxidative Wirkung der Zistrose dreimal so stark wie die des grünen Tees sein soll. Diese sekundären Pflanzenstoffe sind als starke Antioxidanzien sowohl für Arzneimittel als auch für Kosmetika von Bedeutung. Die im Cistus enthaltenen Polyphenole mit ihrer antioxidativen Kraft schützen die Gefässwände, unterstützen den Zellstoffwechsel und vor allem die Zellmembranen. Darüber hinaus stärken sie das Immunsystem, wirken abschwellend, entzündungshemmend, antibakteriell, antiallergisch sowie antiviral, antimykotisch und blutstillend. Ausserdem fördern Polyphenole die Wundheilung und regen den Lymphfluss an.

Zu den Hauptinhaltsstoffen der Zistrose zählen auch Gerbstoffe (Tannine), Vitamin E sowie Cineol und Eugenol, die als Bestandteile ätherischer Öle bekannt sind. Vitamin E gehört zu den sogenannten Schönheitsvitaminen mit verjüngendem Aspekt besonders für die reife Haut. Cineol riecht sehr aromatisch und eignet sich für Inhalationen und Brustwickel, weil es entspannend auf die Bronchien wirkt. Im Zistrosentee entfaltet es eine gesunde Wirkung auf die Verdauung. Eugenol hingegen duftet intensiv nach Nelken, es kommt auch in Zimt sowie in Muskat, Lorbeer und Kirschen vor. Es wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend und antibakteriell. Die graubehaarten Blätter der Zistrose produzieren ein besonderes, würzig duftendes Harz. Dieses ist als Labdanum bekannt, das bereits in der Antike und auch im Mittelalter als universales Heilmittel – mitunter sogar gegen die Pest – eingesetzt wurde.

 

Anti-Aging und Problemlöser

Die in Cistus enthaltenden Tannine (Gerbstoffe) zählen ebenfalls zu den pflanzlichen Sekundärstoffen, die als Bestandteil von Heilsalben und Kosmetika adstringierend, hautstraffend und faltenglättend wirken. Zudem können sie auch bei verschiedenen Dermatosen wie Akne, Herpes oder Neurodermitis zum Einsatz kommen. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge sollen die Inhaltsstoffe von Cistus auch vorbeugend gegen verschiedene Infekterkrankungen helfen können und die Ausleitung von Toxinen unterstützen. Die Heilpflanze verfügt wohl über spezielle entgiftende Eigenschaften, weshalb sie sich auch für Detox-Kuren eignet. Eine Möglichkeit der inneren Reinigung ist z. B. eine Heilfastenkur mit Heilerde und Zistrosentee. Universitätsstudien haben ergeben, dass Cistus den Organismus bei der Ausleitung toxischer Stoffe unterstützen kann. Die Zistrose soll bei durch Umweltgifte hervorgerufenen Erkrankungen helfen und das körpereigene Immunsystem stabilisieren. Alle diese Eigenschaften machen die Heilpflanze quasi zu einer „Wunderwaffe“ gegen Infekte, die auch zur Prophylaxe eingesetzt werden kann – innerlich wie äusserlich. Deshalb ist die Zistrose gerade im Rahmen von Phyto-Behandlungen vielfältig einsetzbar. Die oben beschriebene Vielfalt ihrer Wirkstoffe eröffnet die Möglichkeit, auch Mittel gegen Allergien und Hauterkrankungen herzustellen.

 

Effektiv in der Hautpflege

In Kosmetikprodukten bewährt sich Cistus im Bereich der Anti-Aging-Pflege. Durch den hohen Gehalt der Pflanze an Polyphenolen und Gerbstoffen eignet sich ihr Extrakt zudem als Inhaltsstoff von klärenden Tonika und Pflegeprodukten zur Anwendung bei verschiedenen Hautsituationen. Geeignet ist die Zistrose aber auch als Zutat in Cremes und Lotionen für die anspruchsvolle, besonders empfindliche, überpflegte, strapazierte und irritierte Haut.

Ein weiterer Vorzug der Zistrose ist ihr angenehmer Duft, der u. a. bei Erkältungen und Reizungen der Atemwege als angenehm und wohltuend empfunden wird. Deswegen eignet sie sich auch für Inhalationen. Zudem entfaltet sie ihre Heilwirkung auch im Absud für Brustwickel. Verwendet man das ätherische Öl der Zistrose zur Raumbeduftung, dann wird die Heilpflanze zum Wellness-Faktor. Ihr Duft wirkt entspannend und erwärmend. Er erweist sich als eine Art „Seelenbalsam“, der emotionale Blockaden lösen kann. Dieser wohltuende Effekt zeigt sich übrigens auch beim Baden mit Zistrosenzusatz.

 

Ein Jungbrunnen?

Aber noch etwas fällt auf: In bestimmten Gegenden in Griechenland erreichen die dort lebenden Menschen aufgrund des täglichen Genusses von Zistrosentee ein hohes Alter, und zwar bei guter Gesundheit. Das kann auf die wertvollen Inhaltsstoffe der Pflanze zurückgeführt werden. Womöglich ist es aber auch das entspannte Ritual des regelmässigen Teegenusses, das diesen Effekt begünstigt.

Betrachtet man die traditionellen Erfahrungen mit der Zistrose und die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Forschungsergebnisse, dann könnte man die Zistrose als bewährte Heilpflanze bei allen möglichen Gesundheits- und Schönheitsproblemen bezeichnen. Wie Sie sehen, trägt die Zistrose also nicht ohne Grund das Prädikat „Heil- und Schönheitspflanze der Götter“.

Variantenreiche Zutat: Die Verwendung der Zistrose in naturkosmetischen Behandlungen

Es sind zwar unterschiedliche Zistrosen-Kosmetikprodukte auf dem Markt erhältlich, aber mit etwas Kreativität können auch im Institut entsprechende und wohltuende Anwendungen durchgeführt werden, in denen die Kosmetikerin z. B. einen Tee, Extrakt oder Absud aus der Heilpflanze einsetzen kann.

Anti-Aging-Gesichtsbehandlung:

Zunächst wird die Haut mit einem hydrophilen Öl und etwas Zistrosenabsud gereinigt und – bei Bedarf – unter Beigabe von ätherischem Zistrosen-Öl z. B. mit dem Vapozon bedampft. Dann erfolgt ein sanftes manuelles Peeling, das aus Olivenöl, etwas Meersalz und zerkleinerten Zistrosenblüten gemischt und anschliessend mit Zistrosen-Tee abgenommen wird. Nach dem gründlichen Ausreinigen wird die Haut mit Zistrosenhydrolat besprüht. Anschliessend wird eine Creme-Maske aus Zistrosenextrakt mit ätherischem Immortellenöl und Karitébutter zubereitet und auf das Gesicht aufgetragen. Nach dem Einwirken wird die Maske mit Zistrosenwasser abgenommen. Abschliessend folgt noch eine ausgiebige Massage mit einer zistushaltigen Creme in Bioqualität.

Face-Treatment bei irritierter Haut:

Nach einer ganz behutsamen Reinigung mit hydrophilem Öl und etwas Zistrosentee wird die oben erwähnte Zistrosen-Creme-Maske aufgetragen. Nach deren Abnahme wird die Haut ebenfalls mit Zistrosenhydrolat besprüht. Den Abschluss der Behandlung bildet jedoch eine sehr sanfte Massage mit einem Gesichtsöl, das Labdanum – das wohlduftende Harz der Zistrose – enthält. Diese Anwendung wirkt antientzündlich und kann auch bei Ekzemen durchgeführt werden.

Rückenbehandlung bei stark unreiner Haut:

Nach der Reinigung der gesamten Rückenpartie mit einem Reinigungsschaum wird zunächst ein Peeling aus Heilerde, Zistrosenabsud und etwas Meersalz aufgetragen. Die Haut wird gründlich, aber sanft manuell ausgereinigt. Dann wird eine Packung aus Heilerde und Zistrosenabsud angerührt und aufgetragen, die etwa 20 bis 25 Minuten einwirken und anschliessend mit Zistrosentee abgewaschen werden sollte. Den Abschluss bilden eine Einreibung mit einer Hamamelis-Lotion und die Rückenmassage mit Olivenöl und einigen Tropfen ätherischem Zistrosen-Öl.

Cistus-Wellness

Die Wirkkraft der Zistrose kann auch gut in eine Detox-Massnahme eingebunden werden. Eine solche Kur umfasst die ausleitende Behandlung sowohl von innen als auch von aussen. Und so könnte sich eine ganzheitliche Behandlung als Zistrosen-Kur gestalten:

Den Auftakt bildet ein Ganzkörperpeeling mit einer Mischung aus Olivenöl, Meersalz und Zistrosenextrakt, dem sich ein 15-minütiges Vollbad mit einer Badetemperatur von 37 bis 38 Grad Celsius anschliesst, das mit einem kühlen Kneipp-Guss beendet wird. Dem Badewasser wird ein Liter Zistrosenabsud und ein grosser Becher Buttermilch beigefügt. Danach wird eine Vollmassage durchgeführt, für die eine Mischung aus einem neutralen Basis-Öl mit einigen Tropfen ätherischen Zistrosen-Öls oder Labdanums verwendet wird. Labdanum ist ein würzig duftendes Harz, das die Blätter der Zistrose umgibt. Dieses wird gerne auch als Räucherwerk eingesetzt. Im Anschluss an die Massage wird der Körper nochmals mit dem Öl eingerieben, der Überschuss sollte während einer warmen Packung einziehen können. Hierfür wird eine Ruhezeit von etwa einer halben Stunde empfohlen. Abgerundet wird das wohltuende und gesundheitsfördernde Zistrosen-Detox-Treatment mit einer der oben beschriebenen Gesichtsbehandlungen. Diese komplette Anwendung sollte innerhalb von vier Wochen turnusmässig zweimal wöchentlich wiederholt werden. Vor und während der Behandlung und auch während des Bades kann man der Kundin ein bis zwei Tassen Zistrosentee zum Trinken anbieten. Eine etwa vierwöchige Trink-Kur mit zwei bis vier Tassen unterstützt die Behandlungen begleitend auch zu Hause.

 

 

Autorin:

Henny Ladwig schreibt seit über 20 Jahren für Fachjournale im Bereich Kosmetik und Wellness. Sie unterrichtete Sport an einem Gymnasium, Elektrotherapie an einer Physiotherapie-Fachschule und betrieb lange eine eigene Schönheitsfarm sowie eine Praxis für Physiotherapie.

KONTAKT:

henny-ladwig@t-online.de

 

 

Text: Henny Ladwig

Bilder: stock.adobe.com (4); Henny Ladwig (1)

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