HEALTH & FITNESS

Gut gewürzt

Koriander, Anis und Co. geben nicht nur unserem Essen den nötigen Pep. Sie dienen seit Jahrtausenden auch als Heilmittel und zur Haut- und Körperpflege. Body-Treatments mit selbst gemischten Präparaten werten jedes Wellness-Angebot auf.

Veröffentlicht am 23.12.2021

Gewürze sorgen nicht nur beim Kochen für das gewisse Etwas, sie spielen auch in der Naturheilkunde eine grosse Rolle. Dort finden sie sowohl innerlich als auch äusserlich Anwendung, etwa als Bestandteile von Ölen und Pasten für Massagen, Körperpackungen und Peelings. Die Schamanen indigener Völker nutzten und nutzen die Kräfte von Kräutern und Gewürzen zum Heilen und stellen mit ihnen das Gleichgewicht von Körper und Seele wieder her. Von diesem uralten Wissen können wir noch heute profitieren.

 

Kostbar wie Gold

Gewürze galten einst als Kostbarkeiten, manche wurden in Gold aufgewogen. Überall auf der Welt wurden sie zu medizinischen Zwecken eingesetzt. Das beweisen Wandmalereien aus der Zeit der Pharaonen, Schriften aus dem klassischen Altertum und dem indischen Ayurveda und nicht zuletzt die Rezepturen der Hildegard von Bingen.

Im Alten Ägypten etwa wurden Gewürze sogar als Konservierungsmittel bei der Mumifizierung verwendet. Als Heilmittel zum Einatmen dienten sie dem Schutz vor Krankheiten, etwa beim Einsatz in Pestmasken. Bis ins Mittelalter hinein waren Gewürzhändler zugleich Apotheker, die Arzneien ebenso verkauften wie Spezereien. Auch der Begriff Gewürz selbst stammt aus dem Mittelalter. Sein Ursprung ist das mittelhochdeutsche Wort «wurz», was so viel wie Kraut oder Pflanze bedeutet.

 

Mehr Energie dank Chili

Von den «Curanderos», den traditionellen Heilern Mittelamerikas und der Anden, weiss man, dass sie Energiemassagen mit Chili ausführten, die sogenannten «Sobadas». Bei der modernen Inka-Energiemassage wird der Organismus durch Ausstreichungen mit Chilipaste energetisch gereinigt, Dehnen und Zupfen der Haut lockert zugleich das Bindegewebe und löst Blockaden. Eine weitere Gewürzbehandlung ist die Inka-Aroma-Pressur. Früher nutzten die Schamanen hierfür ein mit ätherischen Gewürzölen gefülltes Röhrchen, das mit einer kleinen Kugel aus Muskatnuss versehen war. Damit rollten sie über bestimmte Stimulationspunkte am Körper, ähnlich wie bei der Akupressur.

Gewürze werden aus verschiedenen Pflanzenteilen gewonnen: Wurzeln, Rhizome (unterirdische Spross-Achsen), Blätter, Stiele, Samen oder Rinden. Sie werden zu Essenzen, Tinkturen, Aromaölen und Pulvern verarbeitet. Aus all diesen Substanzen können Massagepräparate hergestellt werden. Mit einem neutralen Öl wie etwa Jojoba-, Mandel-, Sesam- oder Olivenöl und etwas Gewürzpulver nach Wahl können Sie eine angenehm duftende Massagepaste selbst mischen. Oder Sie nehmen dazu 50 ml gutes Trägeröl und 20 bis 25 Tropfen ätherisches Gewürzöl oder einen Gewürz-Kräuterabsud, vermischt mit Sheabutter. Es gibt aber auch im Handel fertige Präparate, die wirkungsvoll sind.

 

Jedem Kunden seine Mischung

Bei Gewürzmassagen kann man oft schon nach einer Behandlung spüren, wie die Inhaltsstoffe wirken. Sie sollten vor jeder Massage immer gemeinsam mit dem Kunden entscheiden, welches Gewürz oder welche Mischung zum Einsatz kommen soll. Dazu sollten Sie nicht nur die jeweilige Wirkung erklären, sondern auch klären, ob der Kunde unter Allergien oder Unverträglichkeiten leidet.

Bevor Sie Gewürzmassagen anbieten, sollten Sie sich in der einschlägigen Literatur über deren Wirkung auf Haut und Organismus informieren. Hier ein erster Überblick:

Anis (Pimpinella anisum) kommt ursprünglich aus China, als Heil- und Würzmittel ist es seit der Antike bekannt. 2014 war Anis «Heilpflanze des Jahres». Aber auch aus Parfümherstellung und Kosmetik ist es nicht wegzudenken. In Massageölen und Badezusätzen hilft es, Verspannungen zu lösen, in Kosmetika verbessert es fettige, unreine und beruhigt sensible, irritierte Haut.

Chili (Capiscum frutescens) ist eines der ältesten Gewürze der Welt. Archäologen fanden in Mexiko Samenkerne aus der Zeit um 7000 v. Chr. Heute wird Chili in Salben und Pflastern zur Schmerzlinderung und zur Verbesserung der Durchblutung angeboten, als Massagemittel kann es Hauttonus und -struktur verbessern. Daher ist es interessant bei Anti-Cellulite-Behandlungen – aber mit Vorsicht zu geniessen, weil nicht für jede Haut gut verträglich. Chili ist auch ein guter Radikalfänger, sollte aber nur als Body-Kosmetikum eingesetzt werden.

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Von allem ein bisschen

Curryblätter (Murraya koenigii oder Chalcas koenigii) stammen von einem Rautengewächs, das mit dem Zitronenbaum verwandt und in Indien, dem Himalaja und Sri Lanka beheimatet ist. Curry spielt, äusserlich und innerlich angewandt, im Ayurveda eine wichtige Rolle. Was wir gemeinhin als Curry kennen, ist hingegen eine Würzmischung, die in Indien «Masala» heisst. Wegen ihrer Vielfalt an Komponenten kann aber auch sie als Massagepaste oder -lotion eine gesundheitliche Wirkung haben.

Fenchelsamen (Foeniculum vulgare) ist ein vielfältig wirksames Gewürz, das schon Hildegard von Bingen und Pfarrer Kneipp gegen allerlei Krankheiten einsetzten, besonders bei Erkältungssymptomen. Seine Heimat ist der Mittelmeerraum. In einer Massagecreme oder -lotion wirkt er straffend – bei Cellulite besonders gut, wenn er mit Wacholderöl kombiniert wird.

 

Universelle Medizinpflanze

Ingwer (Zingiber officinale) ist das Rhizom einer schilfartigen Pflanze aus Indien und gilt im Ayurveda als universale Medizinpflanze. In Kosmetika wirkt er antibakteriell, antioxidativ, entzündungshemmend, desinfizierend und wundheilend und ist daher besonders hilfreich bei Seborrhoea oleosa. Ingwer hilft auch gegen Fehlpigmentierung und schenkt ein gesundes, glattes Hautbild. Sein Reichtum an Vitaminen, Spurenelementen und vielen anderen Wirkstoffen macht das Gewächs zu einem wertvollen Mittel für die gesamte Zellregeneration. Wichtig ist die richtige Dosierung. Als Arzneigrundstoff ist Ingwer offiziell anerkannt, als Kosmetikwirkstoff auf dem Vormarsch.

Koriander (Coriandrum sativum) kommt ursprünglich aus Südostasien. Der Samen wird besonders im Orient geschätzt, sowohl als Würze als auch als Arzneimittel. Koriander gehört zur Familie der Doldenblütengewächse und ist mit Kümmel, Fenchel und Anis verwandt. Innerlich angewendet harmonisiert er die Verdauung und wirkt allgemein schmerzstillend, in Massageölen fördert er die Durchblutung, beruhigt die Nerven und wirkt Entzündungen entgegen.

Kurkuma (Curcuma longa) ist wie Ingwer ein Rhizom und wichtiger Bestandteil der indischen Küche. In Speisen wirkt es verdauungsfördernd und galletreibend, hilft gegen Rheuma und beschleunigt Heilprozesse. Es soll sogar vorbeugend gegen Alzheimer wirken. Kurkumaöl in Badezusätzen und Massagelotionen soll bei Arthritis und Neurodermitis helfen. Es wirkt antibakteriell, -viral und -fungizid, entzündungshemmend und schmerzlindernd.

Vanille (Vanilla planifolia) ist die fermentierte Schote eines Orchideengewächses und kommt ursprünglich aus Mittelamerika. Die «Königin der Gewürze» war schon den Azteken bekannt. Vanillemark in Mandelöl wirkt auf die Haut straffend, entzündungshemmend und beruhigend. Sein Duft beruhigt die Psyche und mildert Angst. Ausserdem gilt es als aphrodisierend.

 

Wohltat für Männer

Wacholder (Juniperus communis), ein immergrüner Baum, galt bei den alten Germanen als zauberkräftig. Wacholderbeeren gekaut sollen blutreinigend wirken und bei Gicht helfen. Ätherisches Öl wird aus Holz und Beeren gewonnen und hat erfrischende, stärkende Eigenschaften. Ein Wacholderbad wirkt blutdrucksenkend und entgiftend. Kombiniert mit Bergamottöl ist es besonders für Männer zu empfehlen. Als Zusatz von Massagepräparaten kann Wacholderbeeröl bei rheumatischen Erkrankungen Schmerzen lindern. Bei verschiedenen Hautkrankheiten wie Akne, Ekzemen oder Psoriasis wirkt es antiseptisch und die Wundheilung fördernd.

Zimt (Cinnamomum verum) wird aus der getrockneten Rinde eines immergrünen Lorbeergewächses gewonnen, das in Südwestindien, Sri Lanka und Südost-China vorkommt. Zimt hat seine Bedeutung sowohl in der Traditionellen Chinesischen Medizin als auch im indischen Ayurveda. Es wirkt körperlich und seelisch harmonisierend, blutreinigend und desinfizierend. Zimtöl in Badezusätzen und Massagepräparaten fördert die Durchblutung und wird auch als Wärmetherapie bei Rheuma, Arthrosen und Sportverletzungen angewandt, zumal es entzündungshemmend und abschwellend wirkt. Gemahlener Zimt, mit einem neutralen Öl vermischt, kann sich – etwa im Rahmen einer Fussmassage – über die Reflexzonen positiv auf den gesamten Organismus auswirken.

Gewürze in Massageölen, Bodylotions, Cremes und Pasten sowie in Badezusätzen geben uns eine Fülle von Möglichkeiten, wohltuende, gesundheitsfördernde und hautpflegende Behandlungen anzubieten. Körpermassagen mit Gewürzen können den Organismus sanft aktivieren, die Durchblutung, den Lymphfluss und den Stoffwechsel allgemein anregen, das Gewebe straffen und die Hautstruktur verbessern. Sie können ferner die Ausscheidungsfunktionen anregen und damit Fasten- und Anti-Cellulite-Kuren unterstützen. Manche Gewürzmischungen in Massagepräparaten haben auch einen Peeling-Effekt.

Zur Einarbeitung von Gewürzen kann eine klassische Muskelmassage ebenso angewandt werden wie Lymphdrainage, eine Chakra-Energie-Massage, verschiedene Ayurveda-Massagen, die chinesische Tuina- oder die Thai-Stempel-Massage. Auch individuell ausgesuchte Edelsteinroller, in einer dazu passenden Gewürzölmischung erwärmt, können zum Höhepunkt einer Gewürzbehandlung werden.

Eine gute Vorbereitung auf Gewürzmassagen sind Peelings, warme Kompressen, Fuss- und Unterarmbäder oder auch Vollbäder. Als Nachbehandlung eignet sich eine wohltuende Packung. Als Kombination kann man daraus ein attraktives Gewürz-Treatment-Paket schnüren, frei nach dem Motto: «Gut gewürzt für Gesundheit und Schönheit».

 

 

 

 

 

Autorin
Henny Ladwig schreibt seit über 20 Jahren für Fachjournale im Bereich Kosmetik und Wellness. Sie unterrichtete Sport an einem Gymnasium, Elektrotherapie an einer Physiotherapie-Fachschule und betrieb lange eine eigene Schönheitsfarm sowie eine Praxis für Physiotherapie.

Kontakt: henny-ladwig@t-online.de

 

 

 

Text: Henny Ladwig

Fotos: stock.adobe.com (1), Henny Ladwig (1)

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